Geschichte der Gemeinde Wittnau - Teil 2

Die Gemeinde Wittnau in Geschichte und Gegenwart
Ein Kurzportrait von Elfi Harter-Bachmann


Puazinchova und Witunauia

Dieses Siedlungsbild gründet letztlich in der Geschichte beider Ortsteile, die vor 1200 und mehr Jahren die noch heute gültigen Strukturen geschaffen hat. Damals, im 7. und 8. Jahrhundert, haben im Zuge der Besiedlung des Hexentals alemannische Bauern den Schwarzwaldrand in Besitz genommen und ihren Höfen den Namen „Biezighofen“ gegeben. Ihr Dorf ist als „Puazinchova“ jedenfalls bereits im Jahre 806 urkundlich belegt.

Auf der Schönbergseite gegenüber, die sich infolge besserer Böden und auch klimatisch als günstiger erweist, bestand zu diesem Zeitpunkt schon eine andere Siedlung, die als „Witunauia“ im Jahre 786 erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen erscheint. Sie bestand aus einer großen Hofanlage, zu der auch eine Kirche gehörte. Ihre adeligen Besitzer unterschieden sich von den Bauern in Biezighofen auch dadurch, dass sie öffentliche Ämter wahrnahmen und sehr eng mit dem Kloster St. Gallen verbunden waren, das gerade damals im Breisgau eine große politische und wirtschaftliche Rolle zu spielen begann. Diese geschichtlichen Zusammenhänge symbolisiert das Wittnauer Wappen: die Kirche auf dem Berg als eine der ältesten des Hexentals, daneben der Bär, das Wappentier des Klosters St. Gallen.

Die Spuren dieser adeligen Besitzer, d. h. die von ihnen ausgebauten Rechte und Herrschaftsstrukturen, haben im Kern bis ins 19. Jahrhundert bestanden. Ihr Herrenhof, der sog. Dinghof, existiert – aller Wahrscheinlichkeit nach in Gestalt des Gasthauses „Hirschen“ – bis zum heutigen Tag. Auch die heutige 1795 nach dem Abgang der Vorgängerin erbaute Kirche geht auf jene erste zurück. Zwischen der Kirche und dem Dinghof war der Platz des örtlichen Gerichts, „zu Wittnau unter den Linden“. Wohl auf ein frühmittelalterliches Hofgericht zurückgehend, erinnern bis heute die Linden vor der Kirche an diese einstige Rechtssprechung und Verwaltung unserer Gemeinde.


Ein österreichisches Lehen

Mit der Festsetzung der Familie Snewlin Bernlapp in Bollschweil (1291) begann ein neues Kapitel der Wittnauer Geschichte. Diese Familie besaß spätestens seit dem 13. Jahrhundert den Wittnauer Dinghof und die mit ihm verbundenen Herrschaftsrechte als österreichisches Lehen.

Wittnau verdankt dem Freiherrlich von Bollschweilschen Amt den Neubau der 1795 erbauten Kirche, die ihr bedeutendstes Kunstdenkmal ist. Ihr Architekt, der vorderösterreichische Baudirektor Johann Amann, hat hier die letzte Barockkirche des Breisgaus erbaut.

Nach fast 600jähriger Herrschaft über Wittnau und Biezighofen starben die Snewlin Bernlapp 1837 im Mannesstamm aus. Gleichwohl wurde der „Dinghof zu Wittnau“ weiter verliehen, jetzt vom Großherzog von Baden, und zwar an den Freiherrn von Berstett, die nun die Besitzer des Schlosses Bollschweil waren. Der badische Staat, der seinerseits eine zentralistische Verwaltung aufbaute, ließ jedoch nach und nach die alten Feudalrechte ablösen.

Foto Wittnau
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